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Road to ISO 20121: „So viel Struktur wie nötig, so wenig Bürokratie wie möglich“

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Im Interview berichtet Daniele Murgia, Nachhaltigkeitsverantwortlicher der Future of Festivals (FoF), wie er den internen Audit erlebt hat, was sich durch die ISO 20121 bereits verändert hat – und warum die eigentliche Bewährungsprobe erst im Veranstaltungsbetrieb kommt.

Berlin/Speyer, Oktober 2026. – Die Future of Festivals befindet sich auf der Zielgeraden ihrer „Road to ISO 20121“. Seit Beginn des Prozesses begleitet die Nachhaltigkeitsberatung 2bdifferent den Veranstalter beim Aufbau eines Nachhaltigen Veranstaltungsmanagement-Systems nach ISO 20121:2024 – vom initialen BasisCheck über die Entwicklung und Implementierung der notwendigen Strukturen und Prozesse bis hin zur Zertifizierungsreife und Vorbereitung auf das externe Zertifizierungsaudit.

Nach mehreren Monaten intensiver Arbeit stand nun mit dem internen Audit eine wichtige Standortbestimmung und ein Realitätscheck für das bisher aufgebaute System an: Funktioniert das entwickelte System tatsächlich? Sind Verantwortlichkeiten klar? Werden Nachhaltigkeitsziele in konkrete Entscheidungen und Abläufe übersetzt? Und wo muss vor dem Zertifizierungsaudit noch nachgeschärft werden? Der eigentliche Praxistest unter realen Veranstaltungsbedingungen folgt im November während der Future of Festivals.

Daniele Murgia begleitet den ISO-Prozess auf Seiten der Future of Festivals als Nachhaltigkeitsverantwortlicher. Im Interview schildert er, wie er den internen Audit erlebt hat und was sich durch die intensive Beschäftigung mit der ISO 20121 innerhalb der Organisation bereits verändert hat.

„Das Audit war für uns vor allem ein Realitätscheck“

Daniele, wie hast du den internen Audit persönlich erlebt – eher als Prüfung oder als hilfreichen Realitätscheck?

Für mich war das interne Audit vor allem ein Realitätscheck. Wir haben in den vergangenen Monaten unglaublich viel erarbeitet, diskutiert, hinterfragt und dokumentiert. Im laufenden Veranstaltungsgeschäft verliert man dabei manchmal den Überblick, was eigentlich schon alles entstanden ist.

Das Audit hat uns geholfen, das Ganze einmal mit etwas Abstand zu betrachten. Es ging weniger darum, Fehler zu suchen, sondern vielmehr darum herauszufinden, ob unser Nachhaltigkeitsmanagementsystem tatsächlich funktioniert, wo noch Gaps sind und wo wir noch nachbessern müssen.

Natürlich war auch eine gewisse Anspannung dabei. Schließlich haben wir uns intensiv mit dem Thema beschäftigt und wollten wissen, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Am Ende war das Audit aber vor allem eine wertvolle Standortbestimmung. Auch die sehr konstruktive und wertschätzende Zusammenarbeit mit der Auditorin Susanne Moosmann und der zweitägige intensive Austausch auf Augenhöhe waren für uns als Team sehr bereichernd.

„Wir haben nicht bei null angefangen“

Gab es im Audit Punkte, bei denen du gemerkt hast: Hier sind wir schon weiter, als wir selbst gedacht haben?

Eine wichtige Erkenntnis war, dass wir bei der Future of Festivals nicht bei null angefangen haben. Viele Nachhaltigkeitsthemen waren bereits Bestandteil unserer Veranstaltungsplanung, allerdings nicht immer systematisch erfasst oder mit klaren Verantwortlichkeiten verbunden.

Durch den ISO-Prozess haben wir diese Maßnahmen jetzt in einen nachvollziehbaren Zusammenhang gebracht. Wir haben eine verbindliche Nachhaltigkeitsleitlinie entwickelt, unsere wesentlichen Themen und Stakeholder identifiziert, konkrete Ziele definiert und Verantwortlichkeiten festgelegt.

Besonders interessant finde ich, dass aus diesen zunächst theoretisch wirkenden Anforderungen inzwischen ganz praktische Entscheidungen entstehen. Zum Beispiel die Einführung eines ersten Abfallmanagementsystems oder unsere Entscheidung, an den Besucher-Food-Ständen ausschließlich vegetarische und vegane Speisen anzubieten.

Das zeigt mir, dass wir nicht einfach nur ein Managementsystem dokumentieren, sondern bereits dabei sind, unsere Veranstaltung konkret zu verändern.

Vom BasisCheck bis zur Zertifizierungsreife

2bdifferent begleitet FoF seit Beginn des ISO-Prozesses. Was hat diese systematische Begleitung für euch verändert?

Am Anfang stand zunächst die Frage: Was haben wir eigentlich schon – und was davon können wir für die ISO 20121 nutzen?

Genau deshalb war der BasisCheck wichtig. Viele Maßnahmen und Abläufe waren bereits da, aber nicht immer systematisch dokumentiert oder den Anforderungen der Norm zugeordnet. Gemeinsam mit 2bdifferent haben wir diese bestehenden Aktivitäten Schritt für Schritt strukturiert und daraus das Managementsystem aufgebaut.

Dadurch mussten wir nicht bei null anfangen. Gleichzeitig wurde sehr deutlich, wo noch Lücken bestehen und an welchen Stellen wir Prozesse, Verantwortlichkeiten oder Nachweise ergänzen müssen.

2bdifferent begleitet uns dabei seit Beginn des Prozesses – vom BasisCheck über die Entwicklung und Implementierung des Systems bis hin zur Vorbereitung auf die Zertifizierung. Für uns ist wichtig, dass wir am Ende nicht einfach nur Dokumente produziert haben, sondern ein System, das in unserer täglichen Veranstaltungsorganisation tatsächlich funktioniert.

„Die größte Herausforderung ist nicht, neue Maßnahmen zu erfinden“

Wo hat der interne Audit noch Lücken oder offene Punkte sichtbar gemacht?

Die größte Herausforderung ist aus meiner Sicht nicht, Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu entwickeln – da sind wir richtig gut drin –, sondern sicherzustellen, dass sie im gesamten Team und bei unseren Partnern tatsächlich ankommen und konsequent umgesetzt werden.

Ein gutes Beispiel ist unser neues Mehrwegbechersystem. Die Entscheidung dafür ist getroffen, aber die praktische Umsetzung bedeutet viele Abstimmungen mit der Gastronomie, unseren Ausstellern und Getränkepartnern. Unterschiedliche Interessen, bestehende Abläufe und wirtschaftliche Überlegungen müssen dabei berücksichtigt werden.

Ähnlich ist es bei der Umstellung auf ausschließlich vegetarische und vegane Speisen an den Besucher-Food-Ständen. Eine solche Entscheidung muss nicht nur kommuniziert, sondern auch in Vereinbarungen und operative Abläufe übersetzt werden.

Genau hier liegen für uns wichtige Aufgaben: Wer ist verantwortlich? Wie stellen wir sicher, dass unsere Vorgaben eingehalten werden? Und wie überprüfen und dokumentieren wir das Ganze, ohne uns in unnötiger Bürokratie zu verlieren?

Unser Anspruch ist deshalb ganz klar: So viel Struktur wie nötig, so wenig Bürokratie wie möglich.

„Nachhaltigkeit darf nicht an einer einzelnen Person hängen“

Was hat sich durch den ISO-Prozess für dich als Nachhaltigkeitsverantwortlichen verändert?

Was sich für mich vor allem verändert hat, ist der Blick auf Verantwortlichkeiten und die Zusammenarbeit im Team.

Der gesamte ISO-Prozess ist eine echte Teamleistung. Wir haben in gemeinsamen Workshops sehr viel diskutiert, erarbeitet und immer wieder hinterfragt. Deshalb an dieser Stelle auch ein großes Danke an unser gesamtes FoF-Team für den vielen wertvollen Input. Besonders an Inass Kondodji, die den ISO-Prozess auf unserer Seite organisatorisch enorm vorangetrieben hat, an Till Schröder, mit dem wir in vielen Sessions die Themen gemeinsam entwickelt und weitergedacht haben, und an Robert Stolt für sein Vertrauen und den Mut, diese „Road to ISO“ überhaupt zu gehen.

Nachhaltigkeit darf nicht an einer einzelnen Person hängen. Ich kann den Prozess koordinieren und vorantreiben, aber funktionieren kann das System nur, wenn alle im Team ihren Teil übernehmen und Nachhaltigkeit bei ihren Entscheidungen mitdenken.

Das gilt für die Programmplanung genauso wie für die Kommunikation, die Ausstellerbetreuung oder die Zusammenarbeit mit unseren Dienstleistern.

Die ISO hilft uns dabei, diese Verantwortlichkeiten klarer zu definieren und Entscheidungen nachvollziehbar zu machen. Gleichzeitig merken wir, dass ein solches System nur dann einen wirklichen Mehrwert hat, wenn es zu unseren Strukturen passt.

Wir sind ein relativ kleines Team, das parallel eine große Messe und einen Kongress organisiert. Deshalb müssen wir aufpassen, dass wir uns nicht in Dokumentationen und Prozessen verlieren.

Für mich ist eine der wichtigsten Erkenntnisse, dass Nachhaltigkeitsmanagement kein zusätzlicher Verwaltungsapparat werden darf, sondern ein selbstverständlicher Bestandteil unserer täglichen Arbeit sein muss.

„Man darf den Aufwand nicht unterschätzen“

Was bedeutet ein solcher ISO-Prozess gerade für ein kleines Veranstaltungsteam?

Man darf den Aufwand einer ISO-20121-Zertifizierung nicht unterschätzen. Gerade für ein kleines Team, das parallel eine große Veranstaltung vorbereitet, ist das eine echte Herausforderung.

Wir haben uns zwischendurch durchaus gefragt, ob dieser ganze Dokumentationsaufwand wirklich notwendig ist. Aber genau diese intensive Auseinandersetzung zwingt uns dazu, bestehende Abläufe zu hinterfragen, Entscheidungen bewusster zu treffen und Nachhaltigkeit nicht nur zu behaupten, sondern nachvollziehbar zu machen.

Dabei haben wir auch gelernt, dass nicht jede gute Idee automatisch eine sinnvolle Nachhaltigkeitsmaßnahme ist. Wir müssen Prioritäten setzen, Ressourcen berücksichtigen und Entscheidungen treffen, die ökologisch, sozial und wirtschaftlich tragfähig sind.

Das ist manchmal anstrengend und führt auch zu kontroversen Diskussionen. Aber genau darin liegt für mich der eigentliche Mehrwert des gesamten Prozesses.

Der entscheidende Praxistest kommt im November

Was nimmst du aus dem internen Audit für die letzten Wochen bis zum Zertifizierungsaudit mit?

Wir wissen jetzt deutlich besser, wo wir stehen und welche Aufgaben noch vor uns liegen. Bis zur Zertifizierung geht es für uns vor allem darum, die bestehenden Prozesse zu festigen, offene Punkte abzuarbeiten und sicherzustellen, dass unsere Maßnahmen auch in der Praxis funktionieren.

Gerade mit Blick auf die Future of Festivals im November wird es spannend, weil wir dann sehen werden, wie sich unsere neuen Vorgaben im tatsächlichen Veranstaltungsbetrieb bewähren.

Wir werden sicherlich nicht alles auf Anhieb perfekt machen. Das ist aber auch nicht unser Anspruch. Entscheidend ist, dass wir unsere Maßnahmen überprüfen, aus den Erfahrungen lernen und uns kontinuierlich verbessern.

Eine ISO-20121-Zertifizierung ist für uns deshalb kein Endpunkt, sondern der Beginn eines langfristigen Entwicklungsprozesses.

Unser Ziel ist nicht, einmal ein Zertifikat an die Wand zu hängen, sondern Nachhaltigkeit dauerhaft und verbindlich in der Organisation der Future of Festivals zu verankern.

Nächster Schritt: vom internen Audit zum Zertifizierungsaudit

Auf Grundlage der Ergebnisse des internen Audits arbeiten Future of Festivals und 2bdifferent nun gemeinsam an den verbleibenden offenen Punkten. Prozesse werden weiter gefestigt, Verantwortlichkeiten geschärft und erforderliche Nachweise vervollständigt.

2bdifferent begleitet FoF damit weiterhin auf dem gesamten Weg bis zur Zertifizierungsreife und bereitet das Team fachlich und organisatorisch auf die externe Auditierung vor. Entscheidend wird sein, dass das Managementsystem nicht nur formal die Anforderungen erfüllt, sondern sich während der Future of Festivals am 25. und 26. November 2026 im realen Veranstaltungsbetrieb bewährt.

Future of Festivals
Die Future of Festivals ist eines der zentralen Branchentreffen für die Festival- und Live-Event-Wirtschaft. Veranstalterinnen, Dienstleistende, Verbände, Entscheiderinnen und Nachwuchskräfte kommen hier zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen, neue Lösungen und die Zukunft von Festivals und Live-Events auszutauschen. Die nächste Future of Festivals findet am 25. und 26. November 2026 in der STATION Berlin statt.

2bdifferent GmbH & Co. KG
2bdifferent gehört zu den führenden Spezialisten für Nachhaltigkeit in der Veranstaltungswirtschaft. Die Beratungsagentur mit Sitz in Speyer begleitet Unternehmen, Veranstalter, Agenturen, Locations und Institutionen beim Aufbau und bei der Weiterentwicklung Nachhaltiger Veranstaltungsmanagement-Systeme nach ISO 20121:2024 – von der Bestandsaufnahme über Implementierung und Anwendung bis zur Vorbereitung auf die Zertifizierung. Weitere Schwerpunkte sind Nachhaltigkeitsstrategien, CO₂-Bilanzierung, Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Beschaffung und glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation.

Oktober 2026 / 2bdifferent GmbH & Co. KG
Roßmarktstraße 29
D-67346 Speyer
Ansprechpartner: Jürgen May
E-Mail: may@2bdifferent.de
Tel.: +49 (0) 6232 68 33 90
Internet: www.2bdifferent.de

Daniele Murgia (Foto: 2bdifferent)